„Talente fördern – Zukunft gestalten, diese Ziele verfolgt sicher jede Bildungspolitik, unabhängig davon, welche Farbe sie trägt. Die Bundeskanzlerin hat aber das Ziel der Bildungsrepublik ausgerufen. Das ist ein großes Wort, das die Bedeutung von Bildung heute unterstreicht.“ Mit diesen Worten begrüßte EAK-Vorsitzender Jörg Röder im Namen der Jungen Union und des Evangelischen Arbeitskreises die anwesenden Diskussionsteilnehmer und Gäste im Gemeindehaus der Marktkirche Neuwied. Ob es sich demzufolge bei Rheinland-Pfalz um ein Bildungsland und beim Kreis Neuwied um eine Bildungsregion handele, das sollte mit der bildungspolitischen Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Bettina Dickes, erörtert werden. Aus Lehrer- und Schülersicht konnten Ralf Hoffmann, Vorsitzender der Jungen Philologen des Philologenverbands Rheinland-Pfalz und Ingrid Vockel, Vertreterin des Jugendbeirats Neuwied, Stellung beziehen.
Erwin Rüddel, MdB, dankte den beiden CDU-Vereinigungen EAK (Evangelischer Arbeitskreis) und JU (Junge Union) für ihre Initiative, die landespolitische Perspektive der Bildungspolitik mit der konkreten Umsetzung vor Ort zu verbinden. „Wir müssen noch mehr dafür sorgen, dass die Bedeutung von Bildung in allen Schichten der Gesellschaft erkannt wird. Erst Bildung ermöglicht Freiheit und Selbstverantwortung – zwei zentrale Ziele christdemokratischer Politik!“
Bettina Dickes gab zunächst einen Einblick in die aktuellen Themen der Bildungspolitik in Mainz und kritisierte die aktuelle Schulstruktur heftig: „Mit Abschaffung der Hauptschule sind überhaupt keine Probleme gelöst worden. Sie werden nur besser verdeckt. Lehrer, Eltern und Schüler werden aber allein gelassen.“ Statt dessen plädierte Dickes für eine bessere Differenzierung, damit individuelle Förderung gelinge. Dickes verwies auf das von ihr initiierte Bildungsbündis, dem Verbände von Lehrern, Schülern und Eltern beigetreten seien: „Wir setzen auf Dialog und wollen gemeinsam die Situation der Bildung verbessern.“
Ralf Hoffmann pflichtete Dickes bei, indem er auf die Klassengröße hinwies: „Im Gymnasium haben wir Klassen von 33 Schülern, da ist Unterricht, der auf individuelle Förderung setzt, aber nicht mehr möglich.“ Die von der Landesregierung eingesetzte Evaluationskommission nehme die Probleme nicht ernst. „Für die Qualität des Unterrichts interessiert man sich gar nicht. Vielmehr werden die Schüler zum Beispiel gefragt, wie oft in der Stunde gelacht werde. Da hört seriöse Evaluation aber wirklich auf.“
Ingrid Vockel bezeichnete aus Schülersicht den dramatischen Unterrichtsausfall aufgrund akuten Lehrermangels als zentrales Problem. Auch die Schüler störten sich an der Art und Weise, wie die Landesregierung die Qualität des Unterrichts bewertete.
Die Verbesserungsvorschläge der CDU-Politikerin Dickes stießen auf allgemeine Zustimmung. Sie plädierte abschließend für kleinere Klassen in allen Schularten und damit für die Schaffung zusätzlicher Lehrerstellen, für verbindliche Schulabschlussprüfungen nach der neunten und zehnten Klasse sowie zum Abitur und schließlich für eine größere Freiheit der Schulen. Vor allem sei aber eine enge Kooperation mit den Eltern erforderlich, die sich ihrer Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder bewusst sein müssten.
Diskussionsleiter Röder konnte sich bei allen Teilnehmern für eine rege Diskussion bedanken. „Es war unser Ziel, dass wir über die auf Landesebene entwickelten Ideen vor Ort diskutieren und schauen, wo hier der Schuh drückt. Bettina Dickes kann nun neue Anregungen mitnehmen und mit viel Rückenwind ihre Arbeit in Mainz fortsetzen.“
Die neue Landtagsabgeordnete der Neuwieder CDU, Gisela Born-Siebecke ließ angesichts der kontroversen Diskussion und den vorgestellten Verbesserungsmöglichkeiten offen, ob Neuwied eine Bildungsregion sei: „Jedenfalls kann Neuwied aber als Stadt der Schulen gelten. Neuwied ist der einzige Standort in Rheinland-Pfalz, an dem alle Arten von Förderschulen vorhanden sind. Den gilt es zu stärken.“
Die JU-Vorsitzende Ellen Demuth verwies auf das Themenjahr der JU Neuwied, das sich der Familie und Bildung widmen wird: „Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, uns intensiv mit Familie und Bildung zu beschäftigen, weil es eine zentrale Aufgabe der Zukunft sein wird, dass die gesamte Gesellschaft deren Bedeutung wirklich erkennt.“ Sie dankte den Diskutanden mit einem Präsent, das Erbauliches mit Bildung verbindet: einem Buch über den Landkreis Neuwied, das auch Kochrezepte enthält.
[18.02.2010]